Zwischen Narzissen und Einkaufswagen: Ein Morgen auf der Poststraße

Gestern war ich auf der Poststraße unterwegs, so gegen neun. Die Sonne stand schon erstaunlich hoch, dieses klare Frühlingslicht, bei dem selbst eine Verkehrsinsel freundlich aussieht. Und genau dort blühten sie: die Narzissen zwischen Lidl und Ofen-Stadt-Halle. Gelb und weiß, mitten im Alltag, zwischen Ampel, Autos und Einkaufswagen. Man läuft nicht einfach vorbei. Man bleibt wenigstens kurz stehen.

Bei Thomas Philipps war schon ordentlich Betrieb. Ehrlich gesagt mehr, als ich um diese Uhrzeit erwartet hätte. Viele ältere Leute wie ich waren da, um sich für Balkon, Garten oder Vorgarten einzudecken – Erde, Pflanzen, dies und das, was man jetzt eben braucht. Frühling beginnt ja nicht im Kalender, sondern meistens da, wo jemand den ersten Sack Blumenerde in den Wagen hebt.

Ich habe mir ein paar Geranien mitgenommen, für 5,29 Euro im Angebot. Nichts Ausgefallenes, aber zuverlässig. Und genau solche Pflanzen sind ja oft die besten – sie machen was her, ohne Umstände zu machen.

Drinnen traf ich dann auch noch eine alte Bekannte. So ist das in Velten: Man geht wegen Blumen los und kommt mit einem Gespräch wieder heraus. Sie erzählte mir, dass in den Tonbergen neue Bäume gepflanzt wurden. Über zweihundert sollen es sein – Eichen, Ahorn, Linden, Weiden und Traubenkirschen. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Solche Pflanzungen sieht man heute schnell auf einem Foto, aber ob daraus wirklich etwas wird, zeigt sich bekanntlich erst später. Ein Baum muss nicht nur gesetzt, sondern auch groß werden dürfen.

Wir sprachen dann gleich weiter über den Frühling und darüber, dass jetzt wieder die Zeit beginnt, in der man Lust hat, etwas zu unternehmen. Nicht nur einkaufen und wieder nach Hause, sondern auch mal raus, etwas ansehen, Menschen treffen. Da kam uns der Veltener Keramikfrühling am 25. und 26. April in den Sinn. Das ist ja genau so eine Gelegenheit, bei der man nicht weit fahren muss und trotzdem etwas von der Stadt neu entdecken kann: offene Werkstatt, Führungen, Museum, Café, Musik – und alles mit Bezug zu Velten selbst. Solche Veranstaltungen sind gerade dann schön, wenn sie nicht bloß Programm sind, sondern wirklich zum Ort passen.

Ich habe sie dann auch gefragt, ob sie nicht einmal in eine unserer Gruppen beim Seniorenbeirat kommen möchte. Ganz unverbindlich. Oft merkt man ja: Das Interesse ist da, aber jemand muss den ersten Anstoß geben. Ein gemeinsamer Ausflug, ein Treff, ein Gespräch – manchmal reicht genau das, damit man wieder ein bisschen mehr unter Leute kommt. Sie kann auf der Homepage ja mal in den neuen Terminkalender schauen, ob da was für sie dabei ist.

Als ich wieder draußen war, standen die Narzissen noch genauso im Licht wie vorher. Und irgendwie passte das gut zu diesem Morgen. Erst die Blumen am Straßenrand, dann die Geranien im Angebot, dann ein Gespräch über neue Bäume und die nächsten Ausflüge. So fängt der Frühling in Velten an – nicht mit großem Aufheben, sondern ganz praktisch und mitten im Leben.