Gute Nachrichten gehen im Alltag manchmal unter. Dabei gibt es gerade erstaunliche Entwicklungen: Ein winziges Implantat könnte Menschen mit einer Augenerkrankung viele Spritzen ersparen, wichtige Vorsorgedokumente sind im Notfall jetzt leichter zugänglich und in Brandenburg bekommt ein ganzer Fluss Stück für Stück seine Natur zurück. Drei gute Nachrichten, die zeigen, dass sich tatsächlich etwas zum Besseren verändert.

Vor knapp vier Wochen haben wir unsere neue Reihe „NICHT ALLES WIRD SCHLECHTER“ gestartet. Die Idee dahinter ist einfach: Zwischen all den Krisen, Problemen und schlechten Schlagzeilen gibt es auch Fortschritte, die Aufmerksamkeit verdienen. Diesmal schauen wir ein wenig über Velten und Oberhavel hinaus. Denn gute Entwicklungen müssen nicht unbedingt vor unserer Haustür beginnen, um irgendwann auch für uns interessant zu werden.

Und manchmal sind es gerade die kleinen Dinge, die Großes bewirken können.

1. Ein Implantat so klein wie ein Reiskorn könnte viele Spritzen ins Auge ersparen

Wer an einer feuchten altersbedingten Makuladegeneration leidet, kennt häufig einen anstrengenden Behandlungsalltag. Bei dieser Erkrankung wird die Netzhaut geschädigt, insbesondere der Bereich, mit dem wir besonders scharf sehen. Um das Sehvermögen möglichst lange zu erhalten, müssen viele Betroffene regelmäßig Medikamente direkt ins Auge gespritzt bekommen.

Für ältere Menschen kann das eine erhebliche Belastung sein, nicht nur wegen der Behandlung selbst, sondern auch wegen der vielen Arzttermine und der notwendigen Fahrten dorthin.

Jetzt gibt es eine neue Möglichkeit, die diese Belastung deutlich reduzieren könnte.

Am 5. Oktober 2026 wurde am Universitätsklinikum Bonn erstmals in Deutschland ein neuartiges Augenimplantat außerhalb einer klinischen Studie in der regulären Patientenversorgung eingesetzt. Zwei Patienten erhielten das winzige, etwa reiskorngroße Implantat namens Contivue.

Das Besondere daran: Es verbleibt dauerhaft im Auge und gibt über längere Zeit kontinuierlich einen Wirkstoff ab. Statt immer wieder eine Spritze ins Auge zu bekommen, kann das Implantat ungefähr alle sechs bis neun Monate ambulant nachgefüllt werden.

Wie groß der Unterschied sein kann, zeigen bisherige Untersuchungen. In einer Studie verringerte sich die durchschnittliche Zahl der Medikamentenbehandlungen von 9,2 auf nur noch 2 pro Jahr.

Natürlich ist das keine Wunderheilung. Das Implantat kommt nur für bestimmte Patienten infrage, deren Erkrankung bereits erfolgreich mit entsprechenden Medikamenten behandelt und stabilisiert wurde. Außerdem erfordert das Einsetzen einen operativen Eingriff, und regelmäßige augenärztliche Kontrollen bleiben notwendig.

Trotzdem ist das ein bemerkenswerter Fortschritt. Weniger belastende Behandlungen könnten für viele Menschen mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität bedeuten.

Wer wegen einer feuchten Makuladegeneration regelmäßig Spritzen erhält, kann beim nächsten Termin einmal nachfragen, ob diese neue Behandlung grundsätzlich infrage kommen könnte.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn, 5. Oktober 2026

2. Patientenverfügung: Im Notfall sind die eigenen Wünsche jetzt schneller verfügbar

Viele Menschen haben längst vorgesorgt. Eine Patientenverfügung liegt im Ordner, die Vorsorgevollmacht ist unterschrieben, vielleicht wissen auch die Kinder, wo alles aufbewahrt wird.

Doch was passiert, wenn man plötzlich ins Krankenhaus kommt, nicht mehr ansprechbar ist und niemand die Unterlagen rechtzeitig finden kann?

Genau hier gibt es seit dem 1. Oktober 2026 eine wichtige Verbesserung.

Im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer können jetzt nicht mehr nur Informationen darüber gespeichert werden, dass eine Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung existiert. Auf Wunsch lassen sich auch elektronische Kopien dieser Dokumente hinterlegen.

Das bedeutet: Behandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie Betreuungsgerichte können unter den gesetzlichen Voraussetzungen im entscheidenden Moment direkt nachlesen, welche Wünsche und Regelungen jemand festgelegt hat.

Bisher ließ sich über das Register vor allem feststellen, ob solche Dokumente existieren und wer beispielsweise als bevollmächtigte Person eingetragen ist. Nun können die Unterlagen selbst digital verfügbar gemacht werden.

Das kann gerade für alleinlebende Menschen oder bei einem plötzlichen Krankenhausaufenthalt ein großer Vorteil sein.

Allerdings funktioniert das nicht wie ein gewöhnlicher Datei-Upload. Die Dokumente können ausschließlich durch berechtigte Stellen hinterlegt werden, beispielsweise durch Notare, Rechtsanwälte oder Betreuungsbehörden. Eine zusätzliche Gebühr des Vorsorgeregisters für das Hinterlegen der elektronischen Abschrift wird nicht erhoben. Kosten für die Unterstützung durch die jeweilige Stelle können dennoch anfallen.

Die Originaldokumente bleiben weiterhin maßgeblich. Auch ersetzt die Registrierung keine wirksam erstellte Patientenverfügung.

Unser Tipp: Wer seine Vorsorge schon geregelt hat, könnte die neue Möglichkeit zum Anlass nehmen, die Unterlagen einmal hervorzuholen. Sind sie noch aktuell? Wissen Angehörige oder Vertrauenspersonen, wo sie liegen? Und wäre eine zusätzliche digitale Hinterlegung sinnvoll?

Manchmal kann eine kleine organisatorische Verbesserung im entscheidenden Moment sehr viel bewirken.

Weitere Informationen gibt es direkt beim Zentralen Vorsorgeregister.

3. Die Havel bekommt ihre Natur zurück – und die Erfolge sind inzwischen messbar

Zum Schluss verlassen wir die Arztpraxen und Aktenordner und gehen hinaus in die Natur.

Wer an der Havel unterwegs ist, kennt ihre besondere Landschaft mit Wasser, Wiesen, Schilf und Auen. Was viele nicht wissen: Große Teile des Flusses wurden über Jahrzehnte begradigt, befestigt oder von ihren natürlichen Überschwemmungsflächen abgeschnitten.

Doch seit mehr als 20 Jahren wird daran gearbeitet, der Unteren Havel wieder mehr Raum zu geben.

Anfang Oktober haben der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und seine Projektpartner eine Zwischenbilanz gezogen. Und die kann sich sehen lassen.

Allein auf brandenburgischem Gebiet wurden inzwischen 11,25 Kilometer befestigte Ufer zurückgebaut oder naturnah umgestaltet. Acht ehemalige Flussarme wurden wieder mit der Havel verbunden. Außerdem wurden rund 360 Hektar Flächen zurückgewonnen, die bei Hochwasser wieder überflutet werden können.

Dazu kommen neue Auwälder, wiederhergestellte Flutrinnen und bessere Lebensbedingungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Das klingt zunächst nach Naturschutztechnik. Dahinter steckt aber etwas sehr Anschauliches: Ein Fluss, der wieder mehr Platz bekommt, kann sich natürlicher entwickeln. Wasser kann bei Hochwasser zusätzliche Flächen erreichen, und für Fische, Vögel und andere Tiere entstehen wertvolle Lebensräume.

Das Projekt erstreckt sich über etwa 90 Flusskilometer zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf. Bis 2033 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Das Erfreuliche daran: Hier wird nicht nur über Naturschutz geredet. Man kann bereits sehen und messen, was sich verändert hat.

Und vielleicht ist diese Nachricht ja auch eine kleine Anregung für den nächsten Ausflug. Die Untere Havel mit ihren weiten Auenlandschaften ist ein reizvolles Ziel für Menschen, die Brandenburg gern abseits der großen Städte entdecken.

Wer die Region von früher kennt, hat vielleicht sogar Lust, noch einmal hinzufahren und zu schauen, wie sich die Landschaft entwickelt.

Denn auch Natur kann sich erholen, wenn man ihr die Gelegenheit dazu gibt.

Quelle: Brandenburgisches Umweltministerium, 1. Oktober 2026

Drei Nachrichten, drei unterschiedliche Fortschritte

Ein medizinischer Eingriff, der künftig viele Behandlungen ersparen könnte. Eine digitale Neuerung, die persönliche Wünsche im Notfall besser zugänglich macht. Und ein Fluss, der nach Jahrzehnten menschlicher Eingriffe wieder natürlicher werden darf.

Auf den ersten Blick haben diese drei Nachrichten wenig miteinander zu tun. Und doch erzählen sie dieselbe Geschichte.

Es gibt Menschen, die forschen, Lösungen entwickeln, Dinge verändern und dafür sorgen, dass unser Leben ein Stück besser werden kann.

Nicht jeder Fortschritt ist sofort für alle nutzbar. Nicht jedes Problem verschwindet dadurch. Aber Verbesserungen müssen auch nicht gleich die ganze Welt verändern, um etwas wert zu sein.

Wir wollen deshalb weiter nach solchen Geschichten suchen – in Velten, in Brandenburg und gern auch darüber hinaus. Nach guten Ideen, hilfreichen Neuerungen und Entwicklungen, von denen wir vielleicht selbst etwas haben.

Denn eines gilt weiterhin:

Nicht alles wird schlechter.