Der Frühling kündigt sich nicht immer dort an, wo man ihn zuerst vermuten würde. Manchmal sind es nicht die Krokusse, nicht das erste Vogelgezwitscher und auch nicht das mildere Licht am Morgen. Manchmal merkt man ihn ganz einfach daran, dass auf dem Marktplatz wieder die ersten Stühle draußen stehen.
Vor Jannys ist das so ein verlässliches Zeichen. Erst sitzen dort nur ein paar Unerschrockene, noch mit Jacke, Schal und leicht hochgezogenen Schultern, als wollten sie dem Wetter noch nicht ganz trauen. Aber das hält bekanntlich nie lange. Sobald ein bisschen Sonne da ist, werden es mehr. Die Jacken landen über der Stuhllehne, die Gesichter drehen sich ins Licht, und auf den Tischen stehen wieder Eisbecher.
So beginnt in Velten oft die freundlichere Jahreszeit. Nicht mit großem Auftritt, sondern ganz allmählich. Der Markt wirkt wieder belebter, es riecht nach Waffeln und süßen Soßen, Menschen bleiben stehen, Kinder schauen schon beim Vorbeigehen, wer was bestellt hat. Und plötzlich hat man nicht mehr das Gefühl, nur möglichst schnell von A nach B zu wollen.
Gerade an solchen Orten merkt man ja, was Jahreszeiten mit einer Stadt machen. Im Winter wird der Marktplatz vor allem überquert. Im Frühling wird er wieder benutzt. Man sitzt, schaut, wartet, unterhält sich, gönnt sich etwas. Das klingt nicht nach viel, ist aber für die Stimmung eines Ortes entscheidend.
Natürlich gehört auch das Eis selbst dazu. Kinder wählen meistens mit größerer Entschlossenheit als Erwachsene und landen nicht selten bei den auffälligeren Sorten. Bunt, süß, mit Streuseln, Keks oder allem zugleich. Die ältere Generation bleibt oft eher bei dem, was sich bewährt hat. Walnuss zum Beispiel. Oder etwas mit Schokolade, das zuverlässig hält, was es verspricht. So hat jede Jahreszeit ihre Rituale, und dieses hier gehört eindeutig dazu.
Dabei geht es am Ende gar nicht nur um Eis. Es geht um diesen kurzen Moment, in dem man merkt: Jetzt kommt wieder Bewegung in die Stadt. Menschen sitzen draußen, bleiben etwas länger, schauen sich um. Das Leben wirkt weniger eingepackt.
Der Marktplatz ist dafür in Velten genau der richtige Ort. Dort zeigt sich schnell, ob eine Jahreszeit wirklich angekommen ist. Und wenn wieder Eisbecher auf den Tischen stehen, Kinder zufrieden vor sich hinlöffeln und Erwachsene so tun, als hätten sie eigentlich gar keine Lust auf etwas Süßes gehabt, dann ist die Sache ohnehin entschieden.
Der Frühling mag offiziell im Kalender beginnen. In Velten beginnt er manchmal einfach dann, wenn die ersten Plätze vor dem Eiscafé besetzt sind. Das ist vielleicht keine große Naturbeobachtung. Aber eine ziemlich verlässliche.
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