Direkt am Eingang der Bäckerei & Konditorei Plentz stehen zwei Kreidetafeln. Links das Angebot, klar und handgeschrieben: Frühstücks-Buffet, Montag bis Samstag, ab 8:00 Uhr, bis 13:00 Uhr, 19,90 € pro Person. Rechts der nüchterne Hinweis: „Vorsicht glatt“. Klar, es ist winterlich am Bahnhof Velten bei einer weiteren Station des Kaffeehaus-Rundgangs durch Velten. Hier kommt die Bahn aus Richtung Henningdorf bzw. Berlin an, nein, nicht die S-Bahn, der RB fährt Richtung Kremmen und Busse binden die umliegenden Ortsteile an, Fahrräder stehen in Reihen unter dem Dach, Autos auf P-R und rollen auch langsam vorbei. Kein hektisches Durchgangschaos, sondern ein strukturierter kleinstädtischer Knotenpunkt.

Abends liegt Ruhe über dem Vorplatz. Gedämpftes Licht, Schnee, breite Wege, klare Beschilderung: „Willkommen in der Ofenstadt Velten“. Eine weitere der 25 informativen Stelen der Töppertour. Man merkt schnell, dass dieser Bahnhof mehr ist als Haltestelle. Er ist Ankommen und Weitergehen zugleich – für Pendler, für Besucher, für Menschen aus der Umgebung. Genau hier sitzt Plentz richtig: sichtbar, erreichbar, mitten im Alltag. Und genau deshalb passt das Bild mit den Kreidetafeln so gut. Frühstück am Morgen, Wärme am Abend – eingebettet in einen Ort, der Bewegung kennt, aber nicht hektisch ist.

Der Bahnhof Velten (Mark) ist weit mehr als ein einfacher Haltepunkt. Er wurde bereits 1893 eröffnet und ist heute ein klassischer Durchgangsbahnhof an der Kremmener Bahn, der regelmäßig von Regionalzügen angefahren wird – beispielsweise der RE6 (Prignitz-Express) und der RB55, die Velten stündlich mit Hennigsdorf und weiter mit dem Berliner Verkehrsnetz verbinden. Das bedeutet: Pendler steigen hier aus, Buslinien (wie 807 und 824) ergänzen das Angebot, und Velten ist über den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg gut in Richtung Hauptstadt, aber auch Richtung Neuruppin/Prignitz erreichbar. Genau an diesem Ortskern – zwischen Bahnsteigen, Fahrradstellplätzen und Busanschlüssen – liegt Plentz: ein Treffpunkt für Menschen, die ankommen, verweilen oder auf dem Weg sind. Die Kreidetafel mit dem Frühstücksangebot wirkt hier natürlich, weil dieser Bahnhof ein Ort des Alltags ist – nüchtern, funktional und doch reich an Leben.
Besuch am Abend – Eindruck bleibt stimmig
Ich war nicht morgens da, sondern am Abend. Trotzdem: Die Auslagen waren noch reich gefüllt. Brot, Brötchen, Kuchen – kein Restgefühl, kein Abbau. Das spricht für Planung und Handwerk. Man merkt, dass dieser Ort nicht nur auf den Frühstücksansturm ausgelegt ist, sondern den ganzen Tag trägt. Die Brotauslage war noch vollständig bestückt: große, rustikale Laibe, feinere Mischbrote, kräftige Roggenbrote und mehrere Sorten mit Saaten und Körnern. Nichts wirkte ausgesucht oder zusammengeschoben, sondern ordentlich präsentiert, fast wie am Vormittag.

Darunter lagen weiterhin frische Brötchen – klassische Schrippen, Saatenbrötchen, kleinere Varianten für den schnellen Hunger. Kein „Restkorb“, sondern echte Auswahl. Direkt daneben die Kuchentheke: Streuselschnecken mit Vanillepudding, großzügig bestäubt und sichtbar frisch, daneben Blechkuchen mit Frucht und Streusel, cremige Tortenstücke und weitere klassische Konditoreiwaren. Alles klar ausgezeichnet, sauber angerichtet, ohne überladene Optik.

Was auffällt: Das Sortiment wirkt bewusst geplant, nicht auf maximale Menge, sondern auf Verfügbarkeit bis zum Abend. Genau das bestätigt viele Rezensionen – hier wird nicht nur morgens gedacht. Wer später kommt, bekommt immer noch Auswahl und Qualität, nicht das Gefühl, zu spät zu sein.


Atmosphäre: Bahnhof, der funktioniert
Der restaurierte Bahnhof ist hier kein Dekor, sondern tragende Struktur. Dicke Backsteinwände gliedern die Räume, Stahlträger und Gitterelemente erinnern sichtbar an die frühere Funktion des Gebäudes. Dazwischen viel warmes Holz: massive Tische, klassische Stühle, ruhige Oberflächen. Nichts glänzt, nichts drängt sich in den Vordergrund. Stattdessen entsteht eine Atmosphäre, die Ordnung und Gelassenheit ausstrahlt.

Die Raumaufteilung ist offen, aber klar. Größere Tische für Gruppen stehen selbstverständlich neben kleineren Sitzplätzen, ohne dass es nach Kantine wirkt. Alte Bahnhofselemente – Anzeigetafeln, Beschriftungen, architektonische Details – sind nicht museal ausgestellt, sondern selbstverständlich integriert. Man merkt: Hier wurde nicht „thematisch dekoriert“, sondern mit dem Bestand gearbeitet.
Auch funktionale Bereiche wie Buffet- und Serviceflächen fügen sich ruhig ein. Geschirr steht ordentlich bereit, Gläser, Tassen und Teller wirken vorbereitet, nicht hektisch. Selbst technische Details verschwinden im Gesamtbild. Das Ergebnis ist ein Raum, in dem man gerne sitzt, weil er nichts von einem verlangt. Kein Lärm, kein visuelles Durcheinander, keine aufgesetzte Gemütlichkeit.

Genau diese Zurückhaltung erklärt, warum viele Gäste nicht nur frühstücken, sondern bleiben. Man fühlt sich nicht durchgeschleust, sondern eingeladen. Der Bahnhof als Ort des Kommens und Gehens wird hier zum Ort des Ankommens – morgens beim Frühstück genauso wie abends bei Brot, Kuchen und einem letzten Kaffee.

Der Glückwunsch zum 10. Jubiläum am Gitter wirkt unscheinbar, erzählt aber viel über diesen Ort. Er stammt von der Präsenzstelle O‑H‑V | Velten, die ebenfalls im Bahnhofsgebäude sitzt – und damit Tür an Tür mit der Bäckerei Plentz. Genau diese Nachbarschaft ist mehr als Zufall. Die Präsenzstelle ist ein Ort für Austausch, Bildung und Zukunftsthemen in Velten. Bei uns waren sie bereits zweimal aktiv, mit gut besuchten Vorträgen zu Künstlicher Intelligenz und Robotik in der Pflege, praxisnah, offen, verständlich. Dass ausgerechnet von dort ein persönlicher Glückwunsch zum zehnjährigen Bestehen kommt, passt ins Bild: Der Bahnhof ist kein reiner Zweckbau mehr, sondern ein gemeinsamer Raum. Hier treffen Handwerk und Digitalisierung, Frühstück und Zukunftsthemen, Alltag und neue Ideen aufeinander – leise, selbstverständlich und ohne großes Brimborium.

Zum Schluss noch die praktischen Details, die den Besuch planbar machen: Die Bäckerei & Konditorei Plentz öffnet täglich früh und richtet sich klar nach dem Rhythmus des Bahnhofs. Geöffnet ist in der Regel von 6:00 bis 17:00 Uhr, das Frühstücks-Buffet läuft montags bis samstags von 8:00 bis 13:00 Uhr. Sitzplätze gibt es großzügig im Innenraum, bei gutem Wetter auch draußen am Bahnhofsvorplatz. Der Zugang ist ebenerdig, Parkmöglichkeiten und Fahrradstellplätze liegen direkt vor der Tür, Busse und Bahn halten wenige Schritte entfernt. Kurz gesagt: unkompliziert, erreichbar, alltagstauglich – genau so, wie man es von einem guten Bahnhofscafé erwartet.