Viktoriastrasse - Ein Blog aus Velten

Aus Velten

Ein Warnschild macht noch keinen sicheren Sommer

Neulich in Velten Grün blieb ich vor einer Absperrung stehen. Große alte Eichen, schönes Grün, Sommerlicht in den Blättern – und davor diese rot-weißen Kunststoffgitter. An einem hing ein Zettel: Achtung, Eichenprozessionsspinner. Ein Stück weiter ein größeres Blatt in der Hecke: Der Waldbestand sei befallen.

Nun kann man über Warnschilder nicht meckern, wenn sie nötig sind. Im Gegenteil. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners sind kein harmloses Naturbildchen. Ihre feinen Brennhaare können Ausschlag, Juckreiz, Augenreizungen und Atembeschwerden auslösen. Gerade für Kinder, ältere Menschen, Hundehalter und alle, die sowieso empfindlich reagieren, ist das nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Aber genau da beginnt mein Ärger.

Wenn es gefährlich genug ist, um abzusperren, dann muss doch mehr passieren als nur ein Gitter und ein Zettel. Auf den Bildern sieht man die Gespinste am Stamm deutlich. Da fragt man sich schon: Wird dort auch etwas unternommen? Kommt eine Fachfirma? Wird kontrolliert? Oder bleibt das jetzt so, bis der Sommer vorbei ist und sich alle daran gewöhnt haben?

Warnen ist wichtig. Handeln aber auch.

Natürlich kann niemand einfach mit Besen, Gartenschlauch oder Feuerzeug losziehen. Das wäre sogar gefährlich, weil die Brennhaare dann erst recht verteilt werden können. So etwas gehört in fachkundige Hände. Aber gerade deshalb braucht es eine klare Auskunft: Wer ist zuständig? Wann wird etwas gemacht? Welche Bereiche sind betroffen? Und warum ist nur ein Stück abgesperrt, wenn auf dem Schild gleich vom Waldbestand die Rede ist?

Denn das ist doch der Widerspruch, den viele vor Ort spüren: Wenn der ganze Bereich gefährlich ist, warum kann man dann an anderer Stelle weiter hinein? Und wenn nur einzelne Bäume betroffen sind, warum wird dann nicht gezielt und zügig an diesen Bäumen gehandelt?

Ein Blick nach Leegebruch zeigt, dass das Thema nicht nur Velten betrifft. Dort wurde öffentlich vor dem Eichenprozessionsspinner gewarnt, konkrete Fundorte wurden benannt, stark befallene Bäume markiert und eine Fachfirma angekündigt. Das löst das Problem auch nicht über Nacht. Aber man merkt wenigstens: Da gibt es einen Plan, eine Zuständigkeit und eine zeitliche Ansage.

Genau so etwas wünsche ich mir auch hier.

Velten Grün ist nicht irgendein Stückchen Randgrün. Menschen gehen dort spazieren, fahren mit dem Rad vorbei, führen Hunde aus, Kinder sind unterwegs, ältere Leute setzen sich gern mal auf eine Bank oder bleiben im Schatten stehen. Gerade im Sommer sind solche Orte wichtig. Wenn sie gesperrt werden müssen, dann soll das bitte nachvollziehbar sein. Und wenn sie gefährlich sind, dann darf es nicht beim Absperren bleiben.

Ein Schild kann aufmerksam machen. Ein Gitter kann Abstand schaffen. Aber beides zusammen beseitigt noch keine einzige Raupe.

Man muss nicht alles dramatisieren. Aber man sollte auch nicht so tun, als sei mit einem Ausdruck aus dem Drucker schon genug getan. Wer warnt, übernimmt Verantwortung. Und Verantwortung heißt am Ende nicht: „Bitte gehen Sie weiter.“ Verantwortung heißt: „Wir kümmern uns.“

Das wäre dann ein Sommerthema, über das man nicht nur reden müsste, sondern bei dem man auch sehen könnte, dass etwas passiert.

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