Ein Jahr lang stand das neue Toilettenhaus am Marktplatz einfach da. Grau, sachlich, unauffällig. Kein architektonisches Statement, sondern ein Stück Infrastruktur. Barrierefrei, rund um die Uhr nutzbar, eine verlässliche Adresse für alle, die unterwegs sind. Gerade für ältere Menschen ist so etwas kein Luxus, sondern Alltagssicherheit.
Nun leuchtet Neon an der Fassade. Erst waren es die Töppertour-Stelen und historischen Tafeln – nun trifft es das Toilettenhaus am Marktplatz: Das Muster bleibt leider dasselbe. Ein schneller Schriftzug, ohne erkennbare Idee, ohne künstlerischen Anspruch, ohne jede inhaltliche Schärfe. Man bleibt davor stehen und sucht fast automatisch nach einem Sinn, nach einem Motiv, nach irgendeiner Form von Aussage. Doch was bleibt, ist Leere.
Die Banalität des Zerstörens
Sachbeschädigung ist nichts Neues. Öffentlicher Raum war schon immer Projektionsfläche. Doch was hier irritiert, ist weniger die Tat als ihre Einfallslosigkeit. Kein Protest, kein Kommentar, keine Auseinandersetzung mit dem Ort. Nur das Bedürfnis, eine Spur zu hinterlassen. Graffiti kann Kunst sein. Es kann provozieren, Debatten anstoßen, Räume aufwerten. Man sieht es wenige Meter weiter am Parkdeck, wo ein Wandbild mit Können und Konzept gestaltet wurde. Dort ist Farbe Gestaltung. Hier ist sie bloß Behauptung.

Die Dreistigkeit wäre fast leichter zu ertragen als diese gedankliche Dürftigkeit.
Wer ist eigentlich betroffen?
Oft heißt es dann: „Ist doch nur Farbe.“
Aber öffentliche Einrichtungen sind kein abstraktes Eigentum. Sie werden geplant, bezahlt, gereinigt, instand gehalten. Hinter jeder beschmierten Fläche stehen Menschen, die den Zustand wiederherstellen müssen. Und Nutzerinnen und Nutzer, die sich fragen, warum selbst eine notwendige Einrichtung nicht respektiert wird.
Ein Toilettenhaus ist kein Symbol staatlicher Macht. Es ist Daseinsvorsorge. Wer es beschmiert, richtet sich nicht gegen ein System, sondern gegen die Gemeinschaft.
Grau als Einladung?
Gleichzeitig darf man eine unbequeme Frage stellen: War es klug, das Gebäude vollständig grau zu gestalten? Eine glatte, monochrome Fläche wirkt wie eine leere Leinwand. Ohne visuelle Identität, ohne Gestaltung, ohne bewusste Besetzung des Raumes.
Vielleicht hätte eine künstlerische Ausarbeitung von Anfang an ein anderes Signal gesetzt. Wo Gestaltung sichtbar ist, entsteht häufiger Respekt. Wo nur Neutralität herrscht, setzt sich schneller Beliebigkeit durch.
Das erklärt nichts weg, aber es gehört zur Debatte über Stadtgestaltung dazu.
Ein Symptom unserer Zeit?
Am Ende bleibt weniger Empörung als Ernüchterung. Der öffentliche Raum wird genutzt, aber nicht verantwortet. Aufmerksamkeit wird gesucht, aber ohne Inhalt. Präsenz entsteht, ohne dass etwas Bleibendes gesagt wird.
Velten hat kreative Köpfe, engagierte Menschen, sichtbare Kunst. Gerade deshalb wirkt dieses Gekritzel nicht rebellisch, sondern unerquicklich klein. Es ist keine Grenzüberschreitung mit Haltung, sondern Routine ohne Idee.
Und bei aller Einordnung darf man es auch schlicht benennen:
Es sieht einfach schlecht aus.
Euer
Ofi